Auftraggeber: privat

Standort:
Mittelzentrum in Brandenburg

Zeitraum: 2019-2022

Fläche: 300 m²

Themen:
energetische Sanierung
zeitloses Materialkonzept
HP-Schalen-Dach

 

Ein Typenbungalow wird zum schönen Schwan

Umfassende Sanierung eines 70er-Jahre-Wohnhauses mit Anbau und Garage

Der Bauherr hatte sich entschieden, das Haus aus der Familie zu übernehmen und für sich auszubauen. Das Wohnhaus war in viel Eigenleistung in den 1970er Jahren aus einem vorgefertigten DDR-Typenbau mit Betonaußenwänden und HP-Schalen-Dach entstanden. Gemeinsam wurde eine Vision entwickelt – denn einige Vorstellungskraft war nötig, um eine zukunftsfähige Version des eklektizistisch überformten Gebäudes zu erdenken. Der Bauherr überlegte sogar, das markante Wellendach zu ersetzen, da er damit haderte. Die versteckte „Zeltarchitektur“ sollte aber letztendlich mit Anklängen an das Bauhaus und kalifornische Villen der Nachkriegsmoderne wiederbelebt werden. Und die Ausgangslage bot viel Potenzial: Durch das freitragende Dach konnte das Hauptgeschoss theoretisch von allen Wänden befreit und neu strukturiert werden, und das Souterrain war aufgrund des abfallenden Geländes für Wohnzwecke noch optimierbar.

In einem aufwändigen Prozess wurde das Haus grundsaniert und energetisch ertüchtigt. Durch dreifach verglaste neue Fenster, Außendämmung und Ausblasen des Daches mit Thermofloc sowie eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung wurde der KfW 85-Energiestandard erreicht. Als Heizung fungiert eine Erdwärmepumpe mit Fußbodenheizung im gesamten Gebäude. Die vormalige Garage auf der Südseite mit Terrasse und kleinem Wintergarten wurde durch einen zweigeschossigen Anbau ersetzt. Auf der Nordwestecke entstand eine neue versenkte Garage, die noch eine Dachbegrünung erhalten wird. Der Haupteingang des Hauses wurde auf die Nordseite verlegt, um den Gartenbereich als privaten Rückzugsraum zu gestalten. Der ehemalige seitliche Eingang ist als balkonähnlicher Austritt modifiziert.

Als Herausforderung zeigte sich die Bausubstanz: Die Fundamente mussten teils ertüchtigt werden, da 40 Zentimeter Ziegelmauerwerk statisch nicht ausreichend bzw. frostsicher sind. Dies galt besonders dort, wo das Gelände im Außenbereich verändert werden sollte. Die Fenster in den Betonfertigteilen anzupassen und normgerecht zu dämmen, war komplizierter als bei Mauerwerkswänden – hier wurde der Statiker erneut einbezogen. Auch die niedrigen Deckenhöhen erforderten einige Kreativität und viele Detailzeichnungen, um Fußbodenheizung, Dämmung und Lüftungsleitungen sowie die Beleuchtung in beiden Geschossen einzuplanen.

Im Hauptgeschoss ist eine großzügige, fließende Wohnlandschaft entstanden. Als geschlossene Zimmer sind hier nur noch das Duschbad und ein Büro angelegt. Die schwarzen Möbel der charakterstarken offenen Küche setzen sich im angrenzenden Schrankstauraum fort, der unsichtbar eine kleine Speisekammer umschließt. An der Schnittstelle zwischen Bestand und Neubau wurde ein Gaskamin eingepasst. Der Anbau lässt sich an zwei Seiten mittels Glasfaltwänden großflächig öffnen; er wird von oben durch zwei Oberlichter zusätzlich erhellt. An alter Stelle ersetzt eine neu gestaltete, freundlich beleuchtete Treppe den ehemaligen dunklen Kellerabgang. Das Souterrain, das früher Vorratskammer, Werkstatt, eine etwas düstere Einliegerwohnung und einen zeitgenössisch gestalteten Partyraum mit Sauna beinhaltete, strahlt nun trotz geringer Deckenhöhe in wohnlichem Glanz und bietet helle Räume für ein luxuriöses Hauptbad, Schlafzimmer mit Terrasse sowie Ankleide und Gästezimmer. Dafür wurden einige Fenster vergrößert bzw. ergänzt und teilweise Glasschiebetüren eingeplant. Alle Innenräume wirken fließend und einheitlich, da auf ein übergreifendes Materialkonzept Wert gelegt wurde. So zieht sich das Eichenparkett durch das gesamte Haus, sämtliche Fliesenflächen zeigen den gleichen Anthrazit-Ton und alle Wände sind weiß. Immer wieder taucht schwarz als Kontrast auf.

Vieles wurde noch im Planungs- und Bauprozess verändert und immer wieder neu überdacht. Einige Details aber machen Innenarchitektur so spannend und das Denken vom Ende her wertvoll: Wenn bereits beim Abriss und im Rohbau die Höhe des Küchenfensterbandes festgelegt werden muss oder die Aufteilung des Wellnessbades die Lage der Abwasserleitungen bestimmt!

Aus der Vision wurde schlussendlich Wirklichkeit – der Mut hat sich ausgezahlt.

Fotos: BullaHuth  Küche: M&S Hunger GmbH